Kursthemen

  • FLUCHTPUNKT SAARGEBIET

     – Lebenswege verfolgter Menschen 1933-35 und der Bezug zur Gegenwart
    Titelbild - Fluchtpunkt Saargebiet
    Das Adolf-Bender-Zentrum für Demokratie und Menschenrechte hat in Zusammenarbeit mit seinen Kooperationspartnern, dem Landesinstitut für Präventives Handeln, dem Studienkreis deutscher Widerstand Frankfurt und dem NSDokumentationszentrum RLP/Gedenkstätte KZ Osthofen, ein Projekt zum Thema Fluchtpunkt Saargebiet gemacht.
    --kurze Beschreibung des Projekts--
    Durch das Projekt sind nützliche Unterrichtsmaterialien entstanden, die Sie als Lehrer*innen optimal für die Arbeit mit Ihren Klassen nutzen können. Fühlen Sie sich ermutigt an das Thema heranzugehen und spannende Workshops mit Ihren Schüler*innen zu erleben. Unsere Kooperationspartner unterstüzen Sie bei dieser Arbeit gerne.

    • Mögliche Kooperationspartner für Ihr Projekt

      Mit folgenden Kooperationspartnern können Sie ihr Projekt ergänzen

      • Adolf-Bender-Zentrum für Demokratie und Menschenrechte
      • Landesinstitut für Präventives Handeln
      • Studienkreis deutscher Widerstand Frankfurt
      • NSDokumentationszentrum RLP/Gedenkstätte KZ Osthofen
      • eBook - Fluchtpunkt Saargebiet

        Titelbild eBookHier können Sie sich das eBook zum Projekt Fluchtpunkt Saargebiet herunterladen.

        Das eBook enthält spannende Informationen und interaktive Aufgaben. Es stellt eine hervoragende Ergänzung zu den Workshopkonzepten dar und läd zum selbstständigen arbeiten der Schüler*innen ein.

        Download eBook

        • Beschreibung des Projekts

          Im Rahmen des beantragten Projektes „Fluchtpunkt Saargebiet – Lebenswege verfolgter
          Menschen 1933-35 und der Bezug zur Gegenwart“ steht die handlungsorientierte
          Auseinandersetzung mit Biografien verfolgter Menschen, die im Zeitraum 1933-35 in/über das
          damalige Saargebiet flohen, sowie die Verbindung zu gesellschaftlichen Entwicklungen der
          Gegenwart im Fokus.

          Durch die Abtrennung als Industriegebiet vom Deutschen Reich befand sich das Saargebiet im
          Zeitraum von 1920 bis zur Saarabstimmung 1935 in einer politischen Sondersituation. Das
          Saargebiet umfasste dabei nicht die Grenzen des heutigen Saarlandes. Die neue
          Saargebietsgrenze trennte gewachsene Familien-, Verwaltungs- und Wirtschaftsbeziehungen
          und schnitt die Städte St. Wendel, Homburg und Zweibrücken von Teilen ihres Umlands ab.
          Im Kontext der Machtergreifung der NSDAP veränderten sich die politischen Bedingungen im
          Deutschen Reich. Verfolgt wurden nicht nur politisch Andersdenkende, wie Kommunisten,
          Gewerkschafter und Sozialdemokraten, sondern auch Juden, emanzipierte und starke Frauen,
          sowie Geistliche. Das Saargebiet befand sich jedoch in den Jahren 1933-35 noch außerhalb
          des direkten Einflussraumes des NS-Regimes. Zahlreiche frühe Opfer des Nationalsozialismus
          nutzten es als ersten Fluchtpunkt, als Zwischenstation zur Emigration, sowie als Ort zur
          Vernetzung mit Gleichgesinnten.

          Das Saargebiet wurde somit schnell zum Treffpunkt für vorläufig aus der Schutzhaft
          entlassene oder von dort geflohenen Personen. Allein für das eher nahe gelegene KZ Osthofen
          im heutigen Rheinland-Pfalz als zentrales Konzentrationslager des Volksstaates Hessen
          können hier 35 Namen belegt werden, darunter die geflohenen Häftlinge Max Tschornicki
          (jüdischer Rechtsanwalt) und Willy Vogel (KPD-Funktionär). Doch auch bundesweit bekannt
          gewordene Charaktere wie Marie Juchacz (Sozialdemokratin, Frauenrechtlerin, Gründerin der
          AWO), die als erste Frau eine Rede in der Weimarer Nationalversammlung hielt, Lore Wolf
          (SAJ, KPD, Naturfreunde, Rote Hilfe) aus dem Frankfurter Raum oder auch Johanna Kirchner
          (SPD, Widerstandskämpferin, 1944 in Plötzensee hingerichtet), machten im Saargebiet Station
          und arbeiteten dort im Untergrund teilweise trotz verschiedener Parteizugehörigkeiten und
          Sozialisation eng zusammen. Der aus Berlin geflohene damalige KPD-Oberberater Herbert
          Wehner traf im Saargebiet auf KJVD-Oberberater Erich Honecker und arbeitete mit ihm
          zusammen. Saarbrücken diente somit nicht nur als Rückzugsort, sondern wurde kurzzeitig
          auch zu einem inoffiziellen Kommunikationszentrum mit bundesweiter Bedeutung.

          Mit der Saarabstimmung und dem Anschluss des Saargebietes an das Deutsche Reich fand
          diese Phase 1935 ein jähes Ende, neue Fluchtbewegungen waren die Folge. Es entstanden
          weitere Treffpunkte wie z.B. Paris, zahlreiche Emigranten beteiligten sich am Spanischen
          Bürgerkrieg, einzelne Lebenswege lassen sich über mehr als 20 Stationen nachverfolgen.
          Während ein Teil der betrachteten Personen die NS-Zeit überlebte und am Aufbau
          demokratischer Strukturen in der BRD entscheidend mitwirkte, wurden andere Personen nach
          vielen Jahren der Flucht doch noch entdeckt und in KZ-Haft genommen oder getötet.

          Dieser Aspekt der NS-Geschichte führt bislang in der pädagogischen Auseinandersetzung vor
          Ort ein Schattendasein, obwohl er aus heutiger Sicht hervorragende Möglichkeiten zur
          didaktischen Verzahnung mit gesellschaftlichen Entwicklungen der Gegenwart bietet. In den
          letzten Jahren haben gesellschaftliche Ausgrenzung und Diskriminierung stark zugenommen.
          Insgesamt sind eine Verrohung öffentlicher Diskurse („Gutmenschen“, „Lügenpresse“ usw.)
          und zunehmende Anfeindungen von PolitikerInnen festzustellen. Die Polarisierung der
          politischen Landschaft zeigt sich u.a. an heftigen Auseinandersetzungen rund um das Thema
          Flucht & Asyl, die sich kürzlich im Mord an einem Politiker zuspitzte. Gerade vor diesem
          Hintergrund ist eine Stärkung der Grundlagen unserer Demokratie wichtig. Das Projekt bietet
          Jugendlichen die Möglichkeit, sich mit einem vernachlässigten Themenschwerpunkt aus der
          NS-Zeit auseinanderzusetzen und eine Brücke in die Gegenwart zu schlagen, indem sie unsere
          Werte der freiheitlichen Demokratie kennen und schätzen lernen.